Sonntag, 20. November 2011

Einfach überwältigt...

Samstag Abend. Sechs Uhr. Ich stehe am Uni-Eingang und warte auf Chizu und Co. denn heute ist wieder "Gastfamilien-Tag". Und da fährt auch schon das große schwarze Auto die Einfahrt hoch. Juhu, Vorfreude auf zwei schöne Tage voller Herzlichkeit. Fröhlich werde ich von den Vieren begrüßt und gleichmal gefragt, auf was ich denn Lust hätte zu Essen. Nach kurzem Hin und Her entschlossen wir uns für "Kaiten Sushi" (= running sushi), was mal wieder total lustig und lecker war. Danach gings zu ihnen heim. "Setz dich ruhig hin, ich mach noch Kaffee.", meinte Chizu zu mir. Miyabi setzte sich grinsend neben mich und ich fragte mich, was wohl der Grund für ihr verschmitztes Lächeln war. Die Antwort kam kurz darauf in weiß-roter Form, von Chizu getragen, um die Ecke:


"Otanjoubi omedetooooo!", riefen alle im Chor und ich war erst einmal baff, hab mich aber natürlich riesig gefreut.
Nachdem wir gemeinsam die Torte gegessen haben, ging es auch schon bald ins Bett bzw. auf das Futon, da wir am nächsten Morgen schon um sechs Uhr aufstehen würden. Wieso um Himmels Willen so früh?!
Naja, da gerade November ist und das die Zeit der stärksten und dicksten Männer Japans ist, die sehr früh aufstehen, um fit zu bleiben, hatten wir die Gelegenheit, Sumos beim Training zuzusehen!

Ein weiteres Erlebnis an dem Wochenende, weswegen ich überwältigt war. Man muss sich ein kleines weißes Zelt vorstellen, welches neben einem unscheinbaren Haus an einer Bahnlinie aufgebaut ist. Im Zelt ein Kreis, welcher durch ein Strohseil markiert wird und mit Sand ausgelegt ist. Vier oder fünf Sumo-Ringer, darunter Hakuhou, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Sumo-Ringer Japans.

 Es war zwar sonnig und nahezu wolkenlos, aber sehr kalt und windig. Da es Frauen nicht gestattet ist, das Innere eines Trainingszeltes zu betreten, konnten wir uns das Training leider nur vom Eingang des Zeltes aus ansehen. Also standen wir mit dem Rücken zum kalten Wind, während uns von den Sumos aus eine angenehme Wärme entgegenströmte, vermischt mit einem Geruch, der mich an frische Wäsche, Hallenbad und Räucherstäbchen erinnerte (eine merkwürdige Kombination, die man eigentlich nicht erwarten würde).

Es herrschte absolute Ruhe, weder die Sumos noch einer der gespannten Zuschauer sagte ein Wort. Die einzigen Geräusche, die man hören konnte, waren das Schleifen der schweren Schritte im Sand, das Klatschen der riesigen Hände, wenn sie auf die massiven Schenkel schlugen und das "Sssschssssch", dass Hakuho zischte, wenn er auf den Boden stampfte.


Dadurch, dass es so still war, entstand eine sehr meditative Atmosphäre, wodurch mir das Ganze mehr als nur eine Kampfsportart erschien. Das unaufhörliche Aufstampfen ("shiko") soll zum Einen den Gegner einschüchtern und zum Anderen das Böse vertreiben. Da diese Sportart aus der Religion Shintoismus entstanden ist, beinhaltet sie sehr viele Rituale, die zu dieser eingenartigen Stimmung beitragen. Ein weiteres Ritual zum Beispiel ist das Fegen des Rings mit einem Reisigbesen, was von rangniedrigeren Ringern durchgeführt wird.


Was mich außerdem sehr fasziniert hat, ist die unglaubliche Beweglich- und Biegsamkeit dieser Kolosse. Unter dem ganzen sichtbaren Fett befindet sich ziemlich viel Muskulatur, die vielen Sumos sogar Spagate ermöglicht.


Nach dem Sumotraining fuhren wir zum Shingon-Tempel in Nanzou-in, in dem sich die weltgrößte  liegende Bronze-Buddhastatue befindet, so wie lauter kleine ulkige, grimassenschneidende Figuren, vor denen der kleine Mi-kun ein wenig Angst hatte. Die sahen aber auch teilweise gruselig aus.






Zum Schluss noch ein Bild von Mi-chan und Mi-kun, das ich so lieb fand und bei dem ich denke, dass es diese überwältigende Herzlichkeit dieser lieben Familie am Besten widerspiegelt.

Mata ne!

Freitag, 18. November 2011

Ein sehr süßer Geburtstag


...heißt der rosaroteste Ort, an dem süße, cremegefüllte und mit Schokolade überzogene Träume ein jeder Naschkatze in Erfüllung gehen. Garantiert!


Dieses süße Paradies, welches siebzig Minuten lang für umgerechnet 15€ mit seinem Konzept fast schon an Perversion grenzte, war irgendwie der perfekte Ort, um meinen Geburtstag in der Fremde zu feiern.
Damit es einem nicht schon in den ersten paar Minuten schlecht wurde, gab es zur Vorbereitung des Magens auch Speisen wie Spaghetti, Risotto, Gemüse, Salate und Sandwiches zu essen.
Und dann, ging's los!
Ein eeeeeeeeewig langes Büffet mit den unterschiedlichsten Sorten an Kuchen, Torten, Mochi, Eis mit verschiedenen Toppings wie Krokant, Erdbeersoße, Schokostreuseln etc., Joghurt, Obstsalat und einem riesigen Schokobrunnen in den man Kekse, Waffeln, Früchte und Marshmallows tunken konnte. "Zuerst fraß sie sich durch eine Stück Eiersalat-Sandwich, aber satt war sie noch immer nicht. Also fraß sie sich durch ein Stück Tarte au Chocolat, welche aber nicht ganz so perfekt war wie die von ihrer Schwester....satt war sie noch immer nicht...."


Wirklich schlimm, wie gierig man wird, sobald man einen Teller in der Hand hat und sich entscheiden soll (man bemerke, dass die Zeit ja einem davon rennt), welches Stück Torte man nehmen soll, Pumpkinpie oder Erdbeersahnetorte? Oder doch lieber etwas vom Maronenkuchen und dazu eine heiße Schokolade? Wieso abwägen?! ALLES!!! Kaum saß ich am Tisch und blickte auf meinen überfüllten Teller, musste ich unweigerlich an dieses Klischee der Deutschen (und auch anderen Weltenbürgern) denken, die bei Hotelbuffets oft größere Augen als Mägen haben. Peinlich, peinlich!! Und Maria meinte dann grinsend zu allem Überfluss: "Oooh you are so German!"





Wie dem auch sei, ich hab alles brav aufgegessen, weshalb heute wohl auch wieder schönes Wetter ist, nachdem es gestern wie aus Kübeln geschüttet hat.
Zu Beginn des süßen Abends sahen wir in etwa so aus, vollkommen beeindruckt und hungrig:



...danach dann eher so:

...zum Platzen vollgefressen!

Jaaa, so habe ich meinen 21. Geburtstag verbracht, zwischen Kuchen, Süßkram und lauter lieben Menschen die mit mir gefeiert haben. Vielen Dank für all die Glückwünsche und lieben Ideen aus der Heimat die bei mir im (virtuellen und realen) Briefkasten eingetroffen sind. Ich hab mich über jede einzelne Zeile gefreut.

Mata ne!

Donnerstag, 17. November 2011

Lauter Mikan und eine Blatt-Tröte


Letztens kam Maria, eine quirlige, mit einem speziellen Humor versehene Persönlichkeit aus Finnland auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte mit ihr am Sonntag auf einen nahegelegenen Berg, dem Tachibana Yama zu steigen. Natürlich! Also wurde der Rucksack gepackt, feste Schuhe angezogen und kurz beim Konbini (24h geöffneter Supermarkt) eine Kleinigkeit fürs Picknick gekauft...und los!
Auch wenn das Wetter nicht ganz unseren Wandervorstellungen entsprach, waren wir guter Dinge und ließen uns von einer kühlen Brise und dem wolkigen Himmel nicht die Laune vermiesen. Mit dem Bus fuhren wir etwa 10min zu einer Haltestelle am Fuße des Berges. Zuerst führte uns ein Weg durch eine kleine Wohnsiedlung mit freundlichwirkenden Häusern und liebevoll gepflegten Gärten voller Blumen, Gemüsebeeten und Obstbäumen, die ich unbedingt fotografieren musste, weil man dabei einfach nicht glauben konnte, dass wir schon Mitte November haben.



Der Aufstieg war nicht sonderlich schwierig was den Weg angeht, da es meistens nur leicht anstieg und nur zum Ende hin ein wenig steiler wurde. Schwieriger war für uns die Ausschilderung, da es zwar eine Wanderkarte gab, auf der alle möglichen Wege eingezeichnet waren, doch konnten wir sie erstens nicht ganz entziffern und zweitens sind wir uns fast sicher, dass sie nicht ganz korrekt war. Wie dem auch sei, oben sind wir gut angekommen, hatten leider nur eine mäßige Sicht herunter, haben unser Picknick aufgefuttert, um uns dann nach einer kleinen Pause im trockenen Gras wieder auf den Rückweg zu machen. Blöd nur, dass wir einen anderen Weg zurück genommen haben und deswegen nicht wussten, wo wir letztendlich enden würden. Und so kam es dann auch, dass wir in einer ganz andersaussehenden Wohnsiedlung ankamen, an einem völlig anderem Fuß des Berges. Aber gut, eigentlich sollten wir einfach nur schauen, wo die nächste Bushaltestelle zu finden ist....eigentlich... nach ca. 20min Fußmarsch kamen wir an einem Bauernlädele vorbei, an dem lauter frisches Gemüse und "Mikan" (Mandarinen) verkauft wurden.
Wir fragten das Mütterchen, welchem der Laden gehörte, nach dem Weg. Sie erklärte ihn uns, meinte dann aber, dass wir doch erst einmal hereinkommen sollen. Wir bekamen heißen Kaffee zu trinken, sowie Mikan und gekochte Süßkartoffeln zur Stärkung. Nach einer netten Plauderei, in der sie uns stolz erzählte, dass ihr Sohn mit einer Australierin verheiratet sei und sie regelmäßig mit ihren Enkeln skypen und diese ihr Englisch beibringen würden, bedankten wir uns und machten uns wieder gestärkt (mit weiteren Mikan in der Tasche) auf die Bushaltestellensuche.
"Immer gerade aus, nach der dritten Ampel befinde sich links der Straße eine Grundschule und direkt vor deren Eingang die Bushaltestelle."
Dritte Ampel, Straße, Grundschule, Eingang, alles da, nur nicht die Bushaltestelle! Mist! Aber hey, den Mann auf dem Fahrrad kennen wir doch, klar Fukihara Sensei, ein Japanischlehrer unserer Uni. "Wohin des Weges?" Wir suchen die nächste Bushaltestelle, an der der Kashii-Bus hält. "Ja, da müsst ihr diese Straße entlang, dann an dem Kiosk vorbei und rechts an der nächsten Ampel ist die Bushaltestelle. Hier nehmt noch ein paar Mikan mit, die hab ich gerade in einem Bauernladen gekauft, die schmecken total süß." Ja gut, wir haben zwar noch ein paar in unserer Tasche, aber das muss er ja nicht wissen. Zu gut, um abzulehnen.
Man glaubt es kaum, letztendlich haben wir die Bushaltestelle gefunden, aber da Sonntag war, hätten wir bis Montag früh warten können. Es wurde schon dunkel und wir hatten keinen blassen Schimmer wo wir überhaupt genau waren. Gerade als wir uns auf den Boden setzen wollten, um ein wenig zu jammern und zu maulen, hielt ein Auto vor unserer Nase an. "Entschuldigt, aber heute ist Sonntag da fährt kein Bus. Wo wollt ihr denn hin?", ein junges Ehepaar blickte uns freundlich aus dem Autofenster an. Wir sind von der Fukuoka Joshidai und haben uns verlaufen. "Steigt ein, wir fahren euch zurück." Das war nicht ihr Ernst?! Ich hab immer mehr das Gefühl, dass sich die Mehrheit aller Japaner dazu verpflichtet fühlt, hilflos aussehenden Auslandsstudenten zu helfen, sie durchzufüttern und heimzufahren.Wohin man auch geht, auf Gastfreundschaft trifft man nahezu überall.

Als Dankeschön schenkten wir den Beiden...Mikan,- was denn sonst?! :)

Und weil es so schön war, haben wir uns gestern gleich noch einmal auf den Tachibana Yama gewagt. Diesmal haben uns Lucy und Maysa begleitet und das Wetter war ein einziger Traum! Ein letzter schöner Herbsttag? Wer weiß...


"Ittekimasu!" - selber Bus, selbe Strecke und doch nicht gleich. Allein das Licht wirkte ganz anders, viel kräftiger, wodurch das so langsam erkennbare "Kouyou", die Blattverfärbung der Laubbäume zur Geltung kam.




 Wir kamen an einem Reisfeld vorbei, sowie einem Gemüsefeld auf dem ein "Ojisan" arbeitete. Sehr idyllisch! Das klingt jetzt alles vielleicht wie ein sentimentaler Bericht einer alten Frau, aber ich habe den Tag gestern sehr genossen, vor allem weil ich die Natur in Fukuoka sehr vermisse, da alles nur grau und aus Beton und Stein ist. Dabei muss man wirklich nicht weitfahren, um mitten im Grünen zu sein.




Bevor es auf den richtigen Wanderweg ging, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einem etwas versteckten, mysteriösen Ort. Ein im Schatten des Bambuswaldes gelegener Ort, der absolut ruhig war, an dem man nur vereinzelt Vögel singen oder einen kleinen Bach plätschern gehört hat, sonst nichts. Lauter stumme Gestalten aus Stein, freundliche Gesichtsausdrücke, leicht gesenkter Blick und eine vollkommen entspannte Haltung. Obwohl eine so friedliche Stimmung herrschte, fand ich es doch ein wenig unheimlich, da keine andere Menschenseele zu sehen war.





 Auf dem Tachibana Yama angekommen, bot sich uns ein unglaublicher Blick über ganz Fukuoka (Sogar die Sporthalle unserer Uni war zu erkennen). Dank des guten Wetters konnte man ewig weit in die Ferne sehen, bis hin zum Meer!




Abgesehen von diesem wahnsinnigen Ausblick, gab es noch ein weiteres Highlight. Wie man sicher schon aus den bisherigen Blogeinträgen herauslesen konnte, sind Japaner (vor allem die ältere Generation) sehr gesprächig und offen. So wurden wir auf dem Berg neben ein paar Familien und älteren Ehepaaren auch von einem lebhaften Ömchen angesprochen. Nach den üblichen Fragen über Herkunft, Alter sowie Dauer und Grund des Aufenthalts, zog sie ein kleines Plastiktütchen mit grünem Inhalt aus der Tasche. Hmm, was hat sie denn nun vor? :)
Nee nee, es musste nichts geraucht werden, um breit zu grinsen, denn nachdem die gute Frau uns erklärt hatte, was sie mit ihrem Grünzeug mache, fragte sie uns, ob wir japanische Lieder kennen würden. Doch bevor wir nachdenken konnten, fiel ihr etwas ein,- ich sag nur "Edelweiss"!


Konnte man es erkennen? Ich kann es leider nicht beurteilen, da ich nicht weiß, wie "Edelweiss" klingen soll. Auf jeden Fall wurden wir mit diesem Getröte (welches mich stellenweise an den Schneewittchen-Gesang aus der Disney-Verfilmung erinnerte) über eine halbe Stunde unterhalten, da ihr immer wieder Lieder eingefallen sind, die ich selber noch aus der Kindheit kenne ("Kaeru no utaga", "Karasu", "Tsuki no sabaku o..."). Das Ömchen hätte als erfolgreiche Animateurin auf Mallorca arbeiten können, so wie sie hartnäckig versucht hat, uns zum Singen zu animieren. Sie sang immer einen Teil vor, wir sollten es nachsingen und sie begleitete uns trötend dazu. Zum Schießen!

Ich tröte jetzt auch das Ende dieses ziemlich  lang gewordenen Eintrags ein!
Mata ne!

Samstag, 12. November 2011

Welch kleine Welt...

Seit meinem letzten Eintrag über den "Hen na ojisan" und Co. ist wieder viel Zeit vergangen, in der eigentlich nicht sonderlich viel Spektakuläres passiert ist, weshalb auch so eine lange Blogpause entstanden ist. Nun habe ich ein wenig gesammelt und werde hier nun das Interessanteste zusammenfassen :)

Am ersten Novemberwochenende veranstaltete unsere Universität ein zweitägiges Fest, an dem alle Studentinnen teilnehmen mussten, somit auch unsere internationale Fraktion. Vergleicht man dieses Festchen mit dem der LMU, so kann man einige Unterschiede erkennen. Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, drehte sich ein Großteil des Wochenendes um Essen. Auf dem ganzen Unigelände waren Stände aufgebaut, an denen es verschiedene kleine japanische aber auch internationale Snacks zu kaufen gab. Das WJC-Programm (hab ich den Begriff eigentlich schon einmal erklärt? Wenn nicht: WJC bedeutet World of Japanese Contemporary Culture und steht für das Programm hier, an dem ich teilnehme) hatte auch seinen eigenen Stand, an dem wir Thai-Curry und Indonesische Pfannkuchen mit lauten Zurufen wie "Irasshaimaseeee" (="Willkommen"; "Treten Sie näher") und "Thai-Kare ikaga desuka?" (="Möchten Sie von dem Thai-Curry probieren?") verkauften.


Was sind denn aber bitte Indonesische Pfannkuchen? Ja, das hab ich mich auch gefragt, vor allem als ich sie gesehen habe:


Sieht eher nach bunten Muffins aus, oder? Am Samstag gingen diese leckeren Dinger weg wie warme Semmeln, so dass wir abends bei Vita, eine der Indonesierinnen, noch mehr davon backen mussten.
Es war mal wieder sehr lustig und es hat Spaß gemacht, zusammen in der Küche zu sitzen, rumzublödeln und zu naschen.



Am Sonntag gab es dann noch so einige kleine Highlights, wie zum Beispiel die Teezeremonie, an der meine JD-Mate Misa (JoshiDai = FrauenUni; die mir anfangs bei lästigen bürokratischen Dingen geholfen hat und mit der ich ab und zu was unternehme) teilgenommen hat, da sie im Teezeremonie Club ist. Es war spannend zu sehen, wie so eine Zeremonie abläuft, da sie strenge Regeln beinhaltet, jede Bewegung haargenau koordiniert und geplant ist und trotzdem eine sehr entspannte und ruhige Atmosphäre darin herrscht.
Nicht ganz so ruhig ging es dann auf der Misswahl zur Miss Fukuoka und Mister Fukuoka (der allerdings von Frauen gespielt wurde) zu. Lauter gleich aussehende, lockige Mädels mit kurzen Kleidchen und hohen Schuhen, die irgendwas über ihre Hobbies in das Mikro quäkten (backen und kochen waren es glaub ich). Irgendwie finde ich den japanischen Kleidungsstil vieler Frauen seltsam. Er besteht aus einer Kombination aus megakurzen Röcken, die gerade so das Unterhöschen bedecken, komischen Kniestrümpfen, die an einen Mix aus Kindersöckchen und großmütterlichen Stützstrümpfen erinnern, und dazu hochgeschlossene Oberteile mit Rüschen (Rüschen sind eh überall, an Ketten, Socken, Haargummis, Ohrringen etc.)
Diese Verbindung von kindlich unschuldig und anzüglicher Dame, geht mir ein wenig gegen den Strich, da ich finde, dass dadurch wieder dieser Wunsch nach dieser skurilen Süßheit hervorkommt. Vor allem der Gedanke daran, dass Männer es toll finden, wenn Frauen wie Kinder aussehen, ist mir unheimlich.

Die Kandidaten der Mister Fukuoka Wahl in traditionellen japanischen Männerkimonos


Soweit, so gut vom Unifest und lieber hin zu einem weiteren kulinarischen Abend, haha. Misa, meine JD-Mate ist mit mir letztens in ein Restaurant gegangen, in dem sie als Kellnerin jobbt. Lustig, dass Nebenjob auf Japanisch "Arubaito" heißt und niemand mir erklären konnte, weshalb das so sei.
Dieses Restaurant ist für seine verschiedenen Tofugerichte bekannt, leider aber nicht gerade günstig (zumindest nicht meiner Vorstellung nach, dafür aber für japanische Verhältnisse). Für 15 unterschiedliche Gerichte, die auf kleinen Tellerchen und in kleinen Schüsselchen  serviert wurden, zahlte ich um die 30 €, die sich garantiert gelohnt haben!

Unsere Menükarte, von rechts nach links und von oben nach unten gelesen ;)

Wir hatten unseren eigenen kleinen Raum, sehr seltsam :)

die Vorspeise...weiß leider den Namen nicht mehr




Dessert
 Jaaaa, danach war ich mehr als glücklich und satt... wir sind daraufhin noch ein wenig in Tenjin herumgelaufen, da die SoftBank Hawks, die Baseballmannschaft Fukuokas ein Spiel gewonnen haben und deswegen in ganz Fukuoka für eine Woche lang viele Lebensmittel, aber auch Kleidung und andere Güter wahnsinnig reduziert waren. Diese Japaner.....die wissen, wie man den Konsum fördern kann!

Was ist noch so passiert in letzter Zeit? Ach ja....ich habe an einem eineinhalbstündigen Einführungskurs im Noh-Tanz (traditioneller japanischer Theatertanz) teilgenommen, der an unserer Uni angeboten wurde. Da ich mich für die alte japanische Kultur interessiere, war ich sofort dabei und gespannt darauf, was auf mich zukommen wird. Dass es ein zweimeter großer, Peter Lustig ähnelnder Deutschdozent ist, der aus Bonn stammt und seit über 30 Jahren in Japan lebt, hab ich nicht erwartet. Ohne sich überhaupt vorzustellen, begann er in diesem so sympathischen, mit deutschem Akzent untermaltem Englisch, seinen Vortrag über Noh und zeigte uns daraufhin sein Können. Ich muss zugeben, beeindruckt waren wir danach alle. Wir selbst durften später auch noch eine "einfache" Choreographie ausprobieren, jeder einzeln, während die anderen dazu ein altjapanisches Lied sangen.
Witzig war, dass der gute Herr Lehrer es nicht wirklich schaffte, uns die Choreographie zu zeigen, da die Sporthalle, in der wir übten, keinen Spiegel besaß und er uns alles spiegelverkehrt beibrachte. "No no, ju häf tu go tu se reit korna off jor noh-steetsch, not tu si läft." Gut, so extrem war sein Akzent nun auch wieder nicht, aber lustig fand ich es trotzdem wie ca. 15 Studentinnen mit Fächern orientierungslos im Raum standen und dann alle in unterschiedliche Richtungen liefen, dabei grinsend darum bemüht waren, die würdevolle Haltung eines echten Noh-tänzers einzunehmen.



Zuguterletzt noch eine kleine Geschichte aus unserer ach so kleinen Welt:
Letzten Sonntag waren ein paar Mädels von uns abends auf "Kneipentour", unterwegs in Kashii, auf der Suche nach einer gemütlichen kleinen Bar. Nach kurzer Suche führte uns unser gutes Gespür zum "Feel it", einer kleinen unscheinbaren Kneipe. Es war der erste Abend hier, an dem wir ausgingen und es war irgendwie seltsam, da man das Innere der Kneipe genauso gut in München hätte finden können. Außer uns waren noch 4 andere Studenten da, zwei davon aus Japan. Nun zum Thema "ach so kleine Welt":
Kyosuke, der Japaner hat mich paar Tage später im Facebook angeschrieben und gefragt, ob ich denn die Veronika B. kenne. Klar!! Veronika war bei mir auf der Schule eine Stufe über mir und hat letztes Jahr ein Au-pair-Jahr in Tokyo verbracht, wo sie Kyosuke kennengelernt hat und mit ihm öfters mal feiern war. Und genau diesen Kyosuke treffe ich ein Jahr später, 1300km weiter südlich in Fukuoka, um genauer zu sein in Kashii in einer kleinen heruntergekommen Kneipe! Sugoiiii!! (=unglaublich!)


Kashii Colada...yummy!



Die Welt scheint so groß, genauso wie die (physische) Entfernung von daheim, die sich durch den Zeitunterscheid bemerkbar macht, aber an sich ist die Welt klein und sie nimmt noch mehr ab, dank facebook, email und skype. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie es wohl wäre ein paar Jahrzehnte früher schon gelebt zu haben und da dann mit 20 nach Japan gegangen zu sein. Kein Internet, nur Telefon und Briefe. Keine Online-Zeitung, die dir jeden Tag die neuesten Gruselgeschichten über Griechenland und Co. präsentiert. Kein wetter.com, das dir sagt, ob es die kommenden Tage mal kälter als 15 °C sein wird. Kein Picasa, das dir die neuesten Bilder von Papas Herbstwanderung vorlegt. Kein facebook, das dir anzeigt, das der Ethno-Stammtisch sich kommenden Dienstag im "Alten Simpel" trifft oder dass jemand "Gefällt Mir" unter deinem Schrein-Foto geklickt hat. Kein Skype, welches kostenlose Gespräche zu beliebigen Zeiten mit den Menschen, die dir wichtig sind, ermöglicht. Unvorstellbar!

Soredewa, mata ne!