Montag, 9. Januar 2012

Zwei Bakku-pakku reisen durch Kyushu

 
Da wir die ersten zehn Tage des neuen Jahres noch Winterferien hatten, planten Sarah und ich schon vor einigen Wochen, die Gegend um Fukuoka herum genauer unter die Lupe zu nehmen und vom 04. bis zum 08. Januar, als Backpacker durch Kyushu zu reisen und zu testen, wie weit wir mit unserem gebrochenen Japanisch kommen würden. Nur bis zum Kashii Bahnhof oder doch ein Stück weiter?! Wir werden sehen...

Am frühen Morgen des 04. Januars machten wir uns also dick eingepackt in Mantel, Mütze und Schal, auf unsere Reise. In Oumuta (...oh Mutter!) hatten wir einen knapp dreistündigen Aufenthalt, den es zu überbrücken galt, um dann weiter fahren zu können. Da Oumuta leider nicht sehr groß war und deswegen nicht allzu viel zu bieten hatte, schon gar nicht um 10:30h am Vormittag, erkundeteten wir einfach so ein bisschen die Gegend. Sieh an, dieser kleine Ort hat zwar weder ein Udonrestaurant, noch ein Café, aber dafür einen Zoo! Ich finde Zoos zwar nicht sonderlich toll, da mir Tiere in freier Wildbahn eher gefallen, aber als Notlösung kann man ja mal eine Ausnahme machen und eine kleine Mitleidsrunde drehen, um den Tieren Konnichiwa zu sagen.



Gegen 13h ging dann unsere Zugfahrt weiter, nächster planmäßiger Halt: Tateno von wo aus wir mit der Minami Aso Bergbahn nach Takamori fuhren. Dieser kleine Zug bestand aus nur einem Waggon, war innen mit lilanen Sitzpolstern und lilanen Vorhängen ausgestattet und fuhr uns quer durch die bergige, verlassene Landschaft, über tiefe Schluchten und durch dichte Bambuswälder bis ins verschneite Takamori. Als ein paar Japanerinnen des Wohnheims bei unserer Reiseplanung wissen wollten, wohin wir überall fahren würden, schien ihnen Takamori nicht bekannt zu sein. Wie auch? Dieser Ort ist winzig und scheint nur aus ein paar netten Häuschen, dem Bahnhof und einem Touristenbüro zu bestehen. In diesem kleinen Dörfchen, welches mich sehr an einen Ski-Ort in Österreich erinnerte, warteten wir im eisigkalten Touristenbüro auf unseren Bus, der uns nach Takachiho und somit zum ersten Übernachtungsort unserer Reise bringen würde.




 Die 1,5 stündige Busfahrt schien kein Ende zu nehmen und es kamen bei uns schon leichte Zweifel auf, ob wir wirklich im richtigen Bus sitzen würden. Draußen war es stockdunkel, wir konnten weder Straßenverlauf noch Landschaft erkennen, da man in dieser Gegend wohl Sraßenlaternen für unnötig hält. Wo fahren wir bitte hin?! Keine Panik, bis jetzt lief alles wie am Schnürchen, also würden wir auch sicher bald in Takachiho ankommen. Endlich! Nach einer gefühlten Ewigkeit leuchteten die ersten Ampeln und Laternen Takachihos auf und schon bald kam der Bus zum Stehen. Müde wankten wir aus dem Fahrzeug und versuchten uns zu orientieren. Das Hotel hatte sich schnell gefunden und so waren wir an diesem Abend nur noch froh, ins Bett fallen zu dürfen, glücklich, dass wir schon einmal so weit gekommen sind...

05. Januar:
Takachiho gilt als sagenumwobener Ort, um den sich so einige japanische Mythen ranken. Wir wollten uns natürlich selbst davon ein Bild (bzw. mehrere) machen und standen deshalb schon früh auf, um genügend Zeit zu haben, um auf den Spuren der Götter und Dämonen wandeln zu können.
 Die Takachiho Schlucht sollte unser erstes Ziel sein. Leider war sie von unserem Hotel ca. 40 min zu Fuß entfernt. Wir fragten den freundlichen Hotelier an der Rezeption, ob es einen Bus dorthin gäbe. Er legte seinen Kopf schief, zog die Luft scharf durch die Zähne und verneinte, aber hey, wir sollten ihm doch folgen. Er trat aus dem Hotel heraus und lief über den Parkplatz. Was hatte er denn nun vor? Wollte er uns den Weg zur nächsten Bushaltestelle zeigen oder uns ein Taxi rufen? Nein, Herr Hotelier spielte selbst den Taxifahrer! Er zog einen Autoschlüssel aus der Hosentasche und öffnete die Türen eines kleinen weißen Autos. Hontoni (=wirklich)? Ja sicher, er führe uns gerne zur Schlucht, das würde ihm nichts ausmachen. Na das ist doch mal ein Service! Arigatou gozaimasu, Hotelier-san!

Die Takachiho Schlucht war unglaublich! Unglaublich schön und unbeschreiblich. Schon als wir Fotos machten, ärgerten wir uns, dass die Bilder nichts davon wiedergeben konnten, was wir in echt sahen und so ist es auch beim Schreiben des Blogs eigentlich unmöglich in Worte zu fassen, was man einfach mit eigenem Auge gesehen haben muss. Eines steht jedoch fest: Beim Anblick dieser hohen, scharfkantigen Felsen, des rauschenden Wasserfalls, sowie des türkisblauen Wassers, begann ich mich zu fragen, ob es sich wirklich um Mythen und Sagen handle, von denen man sich hier so viel erzählt...






Nachdem wir die Schlucht durchlaufen hatten, schauten wir uns den Takachiho Schrein an, um uns danach hungrig auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen.  In einem winzigen Udon Restaurant, wärmten wir uns auf und betrachteten das geschäftige Tun des Udonkochs, der in rasender Geschwindigkeit mit einem riesigen Messer Gemüse zerkleinerte und die Udon mit einem Sieb durch die Luft wirbelte.


Ich studierte die Speisekarte, um herauszufinden, was so Feines geboten war und um unter anderem mein kümmerliches Kanji Wissen auf die Probe zu stellen. Leider kam ich nicht weit und blickte hilfesuchend um mich. Neben mir saß eine für Japanerinnen untypisch, kräftigere Frau mit einem freundlichen, runden Gesicht. Ich fragte sie, ob sie mir sagen könnte, welches der Gerichte zu empfehlen sei. Sie würde mir die Udon-Suppe mit Pilzen und Bambussprossen empfehlen, die habe sie gerade bestellt. Schon bald waren Sarah und ich mit Fumiko und ihren zwei Kindern im Gespräch und sie schlug vor, uns ihr Sushi Restaurant zu zeigen, welches sich wenige Straßen weiter befinde.

...der Vater hat sich geschickt auf einen Hocker gestellt, um nicht so klein zu wirken ;)
Doch dabei blieb es nicht, - diese wahnsinnig freundliche Familie fuhr uns zu unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten Takachihos, die es zu besichtigen galt und die wir ohne Auto nicht hätten anschauen können. So verbrachten wir den ganzen Tag mit ihnen. Nach dem Mittagessen zeigten sie uns den Amano Iwato Jinjya, einem Schrein, der sich in einer Höhle befindet. Genau hier trafen wir zufällig auf Mona, eine von uns Deutschen, der Schreck und die Freude war groß. Wieso bitte trifft man sich zufällig und ausgerechnet in Takachiho? In so einem abgelegenen Ort! Unheimlich :)
Die Höhle des Schreins ist für eine der berühmtesten Mythen Japans bekannt, denn dort habe sich einst die japanische Sonnengöttin Amaterasu vor ihrem Bruder Susanoo versteckt, da sie über seine schlimmen Taten so bestürzt war.

Susanoo
Durch ihren Rückzug erlosch das Sonnenlicht und es wurde finster auf der Welt. Die anderen Götter berieten sich und versuchten Amaterasu wieder aus der Höhle herauszulocken. Ein lustiger Tanz der Göttin Ama no Uzume weckte ihre Neugier und sie verließ ihr Versteck. So wurde es wieder hell auf der Erde.
In der Höhle befanden sich lauter kleine und größere Steine, die aufeinaner gestapelt waren, Nimmt man sich ein Steinchen und legt es auf so ein Gebilde, so darf man sich etwas wünschen.

Amano Iwato Schrein

Sie wünschen?
Später ging es noch auf den Aussichtspunkt Kunimigaoka, von dem aus man in knapp 500m Höhe einen schönen Blick über Takachiho und Umgebung hatte. Fumiko erzählte mir, dass an diesem Ort die Götter auf die Erde herabgestiegen sind und dass man sich dort selbst wie ein Gott fühlen kann, der auf die kleine Welt herunterblickt. Wohl wahr!


Kunimigaoka
Zum Abschied schenkte Fumiko jedem von uns eines der typischen Glücksanhänger, die in Japan so beliebt sind und die es je nach Ort in den unterschiedlichsten Ausführungen, zu kaufen gibt. Sie fuhr uns zu unserem Hotel zurück und verabschiedete sich, sichtlich gerührt mit der Bitte, doch bald wieder nach Takachiho zu kommen. So lieb!
Am selben Abend noch fuhren Sarah und ich mit dem Bus weiter nach Nobeoka, einem unglaublich hässlichen Ort, der nicht weiter erwähnenswert ist und lediglich als Übernachtungsort diente. ;)

6. Januar:
Um 08:30h fuhr unser Zug nach Miyazaki City, 80km südlich von Nobeoka. Unseren ersten Halt des Tages machten wir in Aoshima, einer kleinen Insel unterhalb Miyazakis. Aoshima ist umgeben von vom Meer verformten Steinen, die Oni no sentakuita (="Waschbrett des Dämons") genannt werden.


Aoshima und oni no sentakuita
Auf dieser Palmen bewachsenen Insel befindet sich ein Schrein, Aoshima Jinjya. Dort gab es, ähnlich wie in Takachiho eine Möglichkeit, sich etwas zu wünschen. Auf einem mit Muscheln betürmten Felsen, konnte jeder eine weitere Muschel dazulegen und an einen Wunsch denken.



Aoshima und allgemein Miyzaki haben einen sehr südseeähnlichen Flair, der im Sommer durch noch mehr Touristen und Surfer verstärkt wird. Sarah und ich gönnten uns an einem der unzähligen Läden ein Eis und lauschten dem sich ständig wiederholenden  Onigiri to Nikuman Lied, bei dem es um Reisbällchen und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen geht. Vom Essen können die Japaner wirklich ein Lied singen...
Nachmittags fuhren wir nach Miyazaki City, um in unserem Hotel einzuchecken und die Stadt ein bisschen zu erkunden.Gegenüber unserem Hotel befand sich ein Laden mit japanischen Süßigkeiten, unter anderem Daifuku, meiner neuesten Lieblingssüßspeise. Sie besteht aus mit anko (Azukibohnenpaste), Frischkäse und Früchten gefülltes weißes Mochi. Unverschämt lecker!

Daifuku
7. Januar:
Da wir zwei Nächte in Miyzaki eingeplant hatten, kauften wir uns für umgerechnet 10 € die Miyazaki Touristen Buskarte, mit der wir für einen Tag durch ganz Miyazaki City mit jedem beliebigen Bus fahren konnten. Erstes Tagesziel: Sun-Messe Nichinan,- die welterste Kopie der sieben Moais der Osterinseln. 700 Yen war zwar ein unverschämter Eintrittspreis, den wir jedoch dank des unglaublichen Blicks auf den Ozean und des traumhaften Wetters schnell vergaßen.



Mittags fuhren wir weiter zum Udo Jingu, einem Schrein, der direkt am Meer in riesige Felsen gebaut ist, an denen sich hohe Wellen brechen und von denen man eine perfekte Sicht auf den tiefblauen Ozean hatte. Udo Jingu war an diesem Samstag bevölkert von japanischen Familien, die hier herpilgerten, um für das Wohlergehen ihrer Kinder zu beten und zu bitten. Wir schauten uns alles genau an und wunderten uns, weshalb so viele Japaner etwas ins Meer warfen und dabei sichtlich ihren Spaß hatten. Bei näherem Hinsehen konnten wir feststellen, dass sie undama, kleine aus Ton geformte Glücksbällchen auf einen Felsen zu werfen versuchten, welcher in Form einer Schildkröte sich unterhalb der steilen Abhänge befand. Die Menschen glauben daran, dass beim Treffen des Schildkrötensteins ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Japaner scheinen viele Wünsche zu haben und noch viel mehr Möglichkeiten, diese in Erfüllung gehen zu lassen. Egal ob Stein, Muschel oder Münze, egal ob gestapelt oder geworfen und egal wohin, ob Schildkröte, Höhle oder Teich, ich will mal hoffen, dass all ihre Mühe nicht umsonst sein wird.

Schildkrötenstein

Udo Jingu


Den Abend und somit auch unsere Reise, ließen wir in einem Restaurant ausklingen, in dem es die Spezialität Miyazakis chicken nanban gab, frittierte Hühnerbrust mit Reis, Nudelsalat, Krautsalat und unglaublich viel Remoulade. Obwohl ich dem Fleisch eigentlich abgeschworen habe, so musste dieses Gericht doch probiert werden, was sich auch wirklich gelohnt hat. Dennoch ist mein Fleischbedarf damit wieder gestillt, da es Sarah und mir danach doch leicht unwohl war,- die Portionen waren für japanische Verhältnisse einfach zu riesig und wir sind einfach nichts mehr gewöhnt. :)

8. Januar:
Schweren Herzens verließen wir morgens um 9:30h das schöne Miyazaki mit dem Ziel vor Augen, im Sommer nochmals herzukommen.
Da wir für unsere Reise das Seishun 18 kippu gekauft hatten, ein Zugticket, mit welchem man für 115 € fünf Tage (die nicht aufeinanderfolgend sein müssen und wir es deshalb schon für unseren Nagasaki Ausflug verwendet hatten) lang, durch ganz Japan fahren kann, bestand uns nun eine lange Heimreise bevor und zwar nur mit den langsamen Zügen. Das machte uns aber nichts, da man dadurch umso mehr von Kyushu zu sehen bekam.
Auch die jeweils ca. eineinhalb bis zweistündigen Umsteigeaufenthalte an irgendwelchen verlassenen Bahnhöfen, machten uns nichts, da es immer etwas zu sehen gab. In Miyakonojo z. B entdeckten wir zufällig einen kleinen Bauernmarkt, auf dem es schöne, japanische Schüsseln, Tassen und Schalen zu kaufen gab. In Yoshimatsu trafen wir wieder auf Mona (wieder zufällig), die ein paar Tage in Kagoshima bei Freunden verbracht hatte. Und in Yoshihito besichtigten wir (mal wieder) einen Schrein, der in das warme Licht des yugata (japanischer Spätnachmittag/Frühabend) getaucht war. 
Hier wurden wir auch von einer etwas älteren Japanerin mit ihrem Dackel Lili angesprochen. Nach den obligatorischen Fragen nach Herkunft, Alter und Grund des Aufenthaltes, lud sie uns auf eine Tasse Tee bei ihrer Freundin ein. Diese besaß eine kleine Galerie, in der gerade japanische Töpferkunst ausgestellt wurde. Wir wurden mit grünem Tee, Gebäck und Geschichten versorgt und hatten schon bald die Befürchtung, unseren Anschlusszug zu verpassen. Zum Abschied und als Proviant gab es mal wieder Mikan und die Dackeldame und Lili begleiteten uns dann noch rechtzeitig zu unserem Zug und warteten, bis der Zug vollständig aus dem Bahnhof gerollt ist.
Und ein weiteres Mal kann ich mich nur wundern (und freuen), wie schnell die sonst so für schüchtern und schwer zugänglich gehaltenen Japaner Vertrauen zu einem fassen und wie offen sie auf einen zugehen.

Nach einer vierzehnstündigen Zugfahrt, kreuz und quer durch Kyushu, kamen wir todmüde um Mitternacht am Kashii Bahnhof an. Schön wars!
Mata ne!

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Meri Kurisumasu! Homuvisito! Nagasaki!

Meri Kurisumasu? Wasn das schon wieder? Ja, so seltsam wie dieser Auspruch klingt, so komisch ist auch Weihnachten in Japan. Wie man wohl ohne Weiteres aus meinen bisherigen Einträgen rauslesen konnte, hat Weihnachten hier sehr wenig mit der europäischen Feierweise zu tun. Kommerz lautet die Devise, kauft was das Zeug hält, schmückt die Straßen mit so vielen Lichterketten, wie es nur möglich ist und beschallt die eifrigen Konsumenten in jedem Geschäft mit kaum wieder zu erkennenden Neuinterpretationen von "Stille Nacht" oder "Last Christmas".
Und weil das eben so ist, wie es ist, haben wir unser uns bekanntes Weihnachten bei Sarah in der WG gefeiert mit einer schön gedeckten Tafel, überzogen mit einer besternten Tischdecke (aus Papier), einem Weihnachtstännchen (aus Plastik), allerlei Weihnachtsdeko (über die es sich streiten lässt, ob schön oder kitschig), Weihnachtsmusik aus dem Internet und natürlich Essen!!

Lucys Räucheropa




Ja! Ein ganzes Dreigängemenü haben wir uns gekocht, angefangen bei Bruscetta, übergehend zu Kässpätzle und als Abschluss ein heißer Schokokuchen mit Vanilleis und Orange. Überflüssig zu erwähnen, dass allerhand Süßkram und Plätzchen sich dazu gesellten...

Glühwein selbstgemacht, yummy!
 


Auch wenn ich anfangs ein wenig traurig war, weil kein einziger Gruß, weder in Brief- noch in Paketform aus Deutschland rechtzeitig zu Heiligabend bei mir eingetroffen ist, da die deutsche und japanische Post wohl leicht überfordert war (mittlerweile trudeln die Verspätungen ein, - auch schön), hab ich den Abend sehr genießen können. Es war einfach so gemütlich mit den Mädels in Sarahs warmer Wohnküche zu sitzen, zu quatschen, "Love Actually" anzusehen (mein alljährliches Muss!), unsere Geschenke auszutauschen und zu sehen, wie sich jeder über die Aufmerksamkeiten des anderen freut. :)
Ja, es war mal etwas ganz Anderes, so weit weg von daheim zu feiern,- anders aber auch schön!

Am ersten Weihnachtsfeiertag (und in Japan der eigentliche Weihnachtstag) hab ich mal wieder meine Gastfamilie getroffen. Chizuko und die zwei Kinder (der arme Vater Hiroki musste dahem bleiben, um ca. 130 Nengajo [=Neujahrskarten] zu schreiben, zum Glück "nur" am Computer) holten mich wie immer mit dem Auto ab, um dann nach Uminonakamichi, einem vom Wohnheim 10 Minuten entfernten Ort am Meer zu fahren. Nach dem Mittagessen in einem kleinen Restaurant mit Blick aufs Wasser, machten wir noch einen Strandspaziergang bei strahlendblauem Himmel, eisigem Wind und riesigen Wellen. Sooo toll!



Meine zwei Gastgeschwisterchen haben sich sehr über die Weihnachtsgeschenke, die mir meine Mama aus Deutschland geschickt hat, gefreut, denn abends als ich wieder im Wohnheim war, kam noch eine liebe SMS meiner Gastmutter mit einem Foto als Ausdruck ihrer Freude.


So und nun zum umfangreichsten Erlebnis, von dem ich jetzt berichten werde. Sarah und ich waren vom 27. auf den 28. Dezember in Nagasaki, eine knapp dreistündige Zugfahrt entfernt von Fukuoka.
Morgens um Neun ging unser kleines Abenteuer los, voller Vorfreude auf zwei Tage weg vom doch manchmal langweilig werdenden Wohnheim. Die Zugfahrt gestaltete sich als ein Kinderspiel, da wir die genauen Uhrzeiten und Umsteigeorte im Internet nachgeschaut haben und in Japan wie so vieles, auch der Zugverkehr überpünktlich und höchst präzise ist. Ich hab irgendwo mal gelesen, dass die größte Verspätung eines japanischen Zuges zwei Minuten betrug. Da kann sich die Deutsche Bahn mal eine Scheibe abschneiden!

...irgendwo kurz vor Nagasaki, eine lange Strecke entlang am Meer!
"NAGASAKI. NAGASAKI desu!", so empfing uns eine freundliche, weibliche Lautsprecherstimme, die an jeder Haltestelle gleich klang, aber eine richtige Stimme war und kein Band.


Vom Bahnhof aus, machten wir uns direkt auf die Suche nach dem Hostel, dass laut ausgedruckter Google-maps Karte ganz einfach zu finden sein sollte. Denkste! Wir irrten bestimmt eine geschlagene Stunde in der Nähe des Bahnhofs herum, drehten und wendeten die Karte und wurden einfach nicht fündig. Plötzlich stand eine junge Japanerin neben mir sowie ihr etwas älterer Begleiter (um die 50 vielleicht, ohne irgendwelchen Blog-Lesern ihres Alters wegen, zu nahe treten zu wollen ;) )mit Zigartette im Mundwinkel und einem interessanten Kleidungsstil, der an die bunten Siebziger erinnerte. Sie war Musikerin und er vielleicht ihr Manager (oder vielleicht auch nicht). Beide waren unglaublich hilfsbereit und freundlich. Sie meinte, dass in Nagasaki alle so seien und nicht so wie in Tokyo, wo die Menschen angeblich nur Zeit für sich hätten und viel zu geschäftig seien. Mit ihrer Hilfe fanden wir dann auch schon bald unser Hostel.


Wie in der Internetrezension beschrieben, war es ein richtig gemütliches und freundliches Hostel, welches von Shinji, einem jungen Japaner geführt wird. Shinji eröffnete "Casa Noda" vor knapp einem Jahr und ist selbst ein wahrer Weltenbummler, der viel durch Nord- und Südamerika und Asien gereist ist. Er hatte volles Vertrauen in uns, meinte, dass wir uns in der Küche bedienen dürften, am nächsten Tag auschecken könnten, wann immer wir wollen und dass er jetzt erstmal heimfahren würde.
An sich ähnelte Casa Noda den anderen Hostels, die ich bis jetzt besucht habe, doch irgendwie war es doch auch anders. Im Bad standen Shampoo, Gesichtswaschmittel, Föhn und sonstige Kosmetikartikel zur Verfügung, alles "tada",- kostenlos. Doch wodurch es sich am meisten unterschied war die Einsamkeit, denn Sarah und ich waren die einzigen Gäste im ganzen Hostel, welches insgesamt 18 Betten hat. Das war dann wohl vorerst nichts mit Menschen aus aller Welt kennenlernen. Naja, war auch zu zweit ganz lustig.
Nachdem wir unser Gepäck verstaut hatten, zogen wir los, um durch Nagasaki zu stromern und die ganzen schönen Ecken zu entdecken.
Nagasaki ist die erste Stadt Japans, die sich dem Westen im 16. Jahrhundert geöffnet hat, als Portugiesen mit ihren Segelschiffen im Hafen eintrafen. Noch heute spürt man, dass eine gewisse westliche Atmosphäre in der Stadt herrscht. Es gibt mehrere Kirchen, Cafés, Straßenbahnen und einen superleckeren Kuchen namens "Kasutera" (abgeleitet von "Castella"), den die Portugiesen damals importierten und die Japaner sich zu einer Spezialität Nagasakis gemacht haben.



Nagasaki ist eine interessante Mischung aus europäischer, einheimischer und chinesicher Kultur.
Wir schauten uns einige Tempel an, unter anderem den Sofukuji Tempel, welcher 1629 von Chinesen erbaut wurde, was man auch an seiner Architektur erkennen kann.


Kurz darauf kamen wir an der "Meganebashi" oder "Spectacles Bridge" vorbei, eine der ältesten Steinbrücken Japans, welche aufgrund ihrer Form diesen Namen besitzt. Hat doch echt ein wenig Ähnlichkeit mit einer Brille? Sie wurde 1634 von dem chinesischen Mönch Mozi gebaut und führt über den Nakashima Fluss, der durch Nagasaki fließt.


Abends zog es uns nach "China Town, einem kleinen beschaulichen chinesischen Viertel Nagasakis mit lauter chinesischen Geschäften und Restaurants. Da wir allmählich Hunger bekamen, suchten wir uns ein nettes Restaurant aus, um eine weitere Spezialität Nagasakis zu probieren: "Chanpon", - eine chinesische Nudelsuppe mit Gemüse und Meeresgetier. Ach immer dieses Essen hier...


Der Verdauungsspaziergang führte uns an den Hafen Nagasakis, zum "Nagasaki Dejima Wharf", laut Shinji einem sehr romantischen Ort, mit Blick auf die beleuchtete Stadt. Sarah und ich hatten es eher lustig als romantisch und so blödelten wir lachend am Wasser entlang.



Wir holten uns noch ein Bierchen und Knabbereien in einem der vielen Konbini-Stores, um es uns dann im Gemeinschaftsraum in der südamerikanischen Hängematte von Shinji gemütlich zu machen. Prost!
Da wir ja nur zu zweit waren, aber eine nette fotografische Erinnerung an den Abend haben wollten, versuchten wir uns am Selbstauslöser meiner Kamera.
Geht doch... hihi!


Am nächsten Morgen fuhren wir mit der Tram in den Norden Nagasakis zum "Atomic Bomb Museum", welches in der Nähe des Bombenabwurfortes erbaut wurde. Es war interessant, so viel über den 9.August 1945 und seinen Folgen zu erfahren, doch hatten wir beide ein richtig beklemmendes Gefühl und vieles war schwer zu ertragen. Bilder von verletzten Kindern, verbrannten Opfern, Gegenstände, wie z. B von der enormen Hitze geschmolzenen Flaschen. Das Schlimmste waren aber die Berichte von Überlebenden, die von ihren schrecklichen Erinnerungen in Filmen erzählten. Wenn man so durch das Museum läuft, fragt man sich, weshalb die Menschen nicht so ganz daraus gelernt haben. Bei diesem Bombenabwurf kamen von ca. 240.000 Einwohnern knapp 75.000 Menschen ums Leben und weitere 75.000 wurden verletzt. Wie viele Opfer an den schweren Folgen starben, will man sich gar nicht ausdenken. Noch heute leiden viele Menschen, bis in die dritte Generation an Leukämie, Missbildungen etc.
Auch wenn es jedem gut tun würde, dieses Museum zu besichtigen, waren wir beide doch froh, als wir wieder draußen waren. Im nahegelegenen Nagasaki Peace Park verdauten wir unsere erworbenen Eindrücke und besichtigten die riesige Friedensstatue, welche 1955 als Mahnmal errichtet wurde. Die Figur streckt ihren rechten Arm zum Himmel, um an die Gefahren nuklearer Waffen zu erinnern, während der linke Arm waagrecht gehalten wird und dadurch den Frieden symbolisiert.


Nach dieser lehrreichen und ermahnenden Besichtigung stromerten wir weiter durch Nagasaki, durch seine kleinen Gassen und Ecken, bis wir zum Fukusaiji Tempel gelangten. Es handelt sich hierbei um einen Zen Tempel, welcher 1628 von Chinesen erbaut wurde und Bodhisattva Kannon, die buddhistische Göttin der Gnade auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte darstellt. 1945 wurde dieser Tempel von einem Feuer, das durch den Bombenabwurf ausgelöst wurde, zerstört und 1976 zur Ehre der Opfer wiedererbaut.


Ja, so interessant war unsere kleine Reise in den japanischen Westen und wir beide haben vor, auf jeden Fall im Sommer noch einmal herzukommen, allein wegen des freundlichen Hostels Casa Noda.
Nach einer mir ewig vorkommenden Zugfahrt, sind wir spät abends müde aber glücklich und voller neuer Eindrücke wieder in Fukuoka angekommen.

Mata ne Nagasaki! :)

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Kurisumasu Laitsu!

...vielleicht noch zur Aufklärung des vorigen Blog-Eintrags: es handelt sich hierbei um eine reine Phantasiegeschichte, die auf wahren Begebenheiten basiert, Ähnlichkeiten der Charaktere mit existierenden Personen sind vollkommen beabsichtigt und auf keinen Fall zufällig. ;)
Letzten Sonntag hat Mona, die vierte Abenteurerin der deutschen Fraktion, die vereinten Kräfte der indonesischen, deutschen und schwedischen Hände zusammengerufen, um aus einem mehrteiligen Haribo-Lebkuchenhaus-Set ein "Sweets Paradise" zu bauen. Die mitgelieferten Zuckerpuppen Hänsel und Gretel haben den langen Flug aus Deutschland mehr oder weniger gut überstanden. Gretel wurde leider geköpft, ob es der deutsche oder der japanische Zoll war, lässt sich nicht sagen, doch munkelt man in Märchenkreisen, dass es womöglich doch die Hexe gewesen ist, da sie zwei Sitze im Flugzeug beanspruchte und Gretel nicht weichen wollte, weil sie vom mittleren Sitz dann nicht mehr so eine gute Sicht auf den feschen Stewart gehabt hätte. Wie dem auch sei, diese Vorkommnisse waren letztendlich eine gute Quelle für den vorigen Eintrag.



Wir hatten einen sehr schönen vierten Advent, auch wenn wir uns wunderten, wie schnell Weihnachten mal wieder vor der Tür steht, aber das ist ja nichts Neues!

Letztens wurden wir vier von dem an der FWU dozierenden Professor Holst (schon bekannt aus einem früheren Blogeintrag über den Nou-Tanz) zu der alljährlich stattfindenden Weihnachtsfeier der Deutsch-Japanischen Freundschaft eingeladen. Eine, ich möchte sie als "interessante" bezeichnen, Weihnachtsfeier im Herzen Fukuokas in einem riesigen (wahrscheinlich in den geschmacklosen 90ern erbauten) Tagungsraum eines riesigen Hotels.



Es war schön mit so vielen Japanern sich unterhalten zu können, denn Jung und Alt interessierten sich sehr für die weithergereisten "Exoten". Doch auch wenn die meisten von ihnen nett waren, so gab es auch (wie immer und überall) sehr komische Persönlichkeiten, wie zum Beispiel einen alten Herren mit knallrotem Gesicht (von zu viel Glühwein), der schon deutlich "yopparai" (dieses Wort ist ein geniales Beispiel für die japanische Onomatopoesie...spricht man es aus, so kann man richtig mitschunkeln und den Alkoholpegel spüren) war und von Lucy energisch wissen wollte, ob die Amerikaner in Deutschland auch immernoch stationiert seien. Die Burschen würden auf Okinawa noch immer ihr Unwesen treiben. Der Gute hat sich so richtig in Rage geredet und die arme Lucy gar nicht mehr zum leckeren Buffet gehen lassen, so dass sie letztendlich kaum was vom leckeren Stollen oder den belegten Brötchen (Wecken, Semmeln....sucht euch was aus) abbekommen hat. Jaaa, bei aller Liebe der Deutsch-Japanischen Freundschaft, beide Länder benehmen sich genauso dämlich am Buffet, denn hier zählte das Motto "Wer zuerst kommt, frisst zuerst und wer zu spät kommt den bestraft der Hunger!".


Eine weitere interessante Erscheinung war ein Shinto-Priester, der im von uns nahegelegenen Kashii-Schrein seiner Tätigkeit nachgeht. Er belagerte mich und Lucy so richtig, überreichte uns stolz seine Meishi (=Visitenkarte), lud uns zu einer privaten Führung durch den Schrein ein und erzählte freudestrahlend, dass er sich sehr für Deutschland interessiere, vor allem für deutsche Filme, bevorzugt von Leni Riefenstahl...ah soudesuka (="aha, verstehe")!! Unglaublich für was man sich so als Shinto-Priester interessiert und dann von deutschen Studentinnen erwartet, in dieser Richtung noch mehr erklärt zu kriegen. Anfangs schien er mir ganz sympathisch, doch im Laufe des Abends kehrte sich mein Bild von ihm ins Gegenteil um, nicht nur wegen seiner Interessen, sondern auch wegen seiner Art, wie er uns behandelte à la "Meine Frau muss ja nichts wissen, aber wir könnten doch nachher noch was trinken gehen." "Chigauyou(=falsch) Herr Shinto-Priester, ich hab noch ein Skype-Date mit meiner Frau Mutter, Sie entschuldigen?!"

Gut, dass dann auch bald schon Santa-san kam und unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Lustig, dass auf einer Deutsch-Japanischen Feier Santa-san trotzdem noch der amerikanischen Vorstellung des Cola trinkenden Weihnachtsmännchens entspricht. Der heilige Sankt Nikolaus hat den weiten Weg wohl einfach nicht geschafft (ohnehin wäre er eh schon viel zu spät, da der 6.12 schon Ewigkeiten zurück liegt). Zannen!!
Und Knecht Ruprecht macht wohl auch schon Urlaub und hat stattdessen Harry Potter oder sonstige Zaubergestalten engagiert. Aber okay, wir wollen ehrlich sein, Santa-san und Professor McGonagall haben ihren Job sehr gut gemeistert und den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern können (ohne Zauberstab!).

Meeeri Kurisumassssu!
Eine Japanerin, die Deutsch lernt, fragte mich an der Getränke-Ausgabe: "Wieso heißt das eigentlich "Grühnwein"? Der ist doch rot?" Lieb!
Zum Schluss mussten wir deutschen Studenten (es waren noch andere von der Kyushuu-Uni und der Fukuoka-Uni vorhanden) ein Liedchen trällern und alle sangen mit! Oh du fröhliche!!

...eine Tombola durfte natürlich auch nicht fehlen!
Heute war ich mit Sarah, Mona und Minori, eine sehr liebe und lustige Japanerin aus der Uni, in Tenjin, um die dortigen "Kurisumasu-Laitsu" zu bestaunen. Wirklich sehr reizend diese schillernden, blinkenden Figuren. Da wird einem ganz warm ums Herz! Nee, an sich war das so gar nicht mein Geschmack, aber wir hatten trotzdem einen sehr lustigen Abend, da man mit Minori immer was zum Lachen hat und wir alle die Zeit zusammen genossen haben.
Hier ein paar Impressionen ;)



san zaru
Eine Eislaufbahn ohne Eis!

Santa-saaaan!




Schön nicht wahr?!
Mata ne!