Dienstag, 20. März 2012

Frühling in Kyoto - Besuch Nr. 1

Zur Zeit sind Semesterferien, mein Projekt, welches ich zu bearbeiten hatte ist vollendet und ich genieße meine freie Zeit bis Anfang April, bevor die zweite Hälfte meines japanischen Aufenthaltes beginnt. Und weil nun bald Halbzeit ist, passte es auch perfekt, dass mich mein Freund Malte besuchen kam.


18 Tage ein Stück Heimat hier in der Fremde und 2 neue Augen, die einen Blick auf die japanische Kultur und in die Gesellschaft Japans warfen.
Da Fukuoka zwar vieles zu bieten hat, aber für einen fast dreiwöchigen Aufenthalt nicht so ganz ausreicht, fuhren wir für 5 Tage nach Kyoto, welches einst die japanische Hauptstadt war. Mit dem Nachtbus ging es am Abend des 6. März von Fukuoka aus auf eine teils unbequeme, sehr stickige (in japanischen Bussen kann es glaub ich nicht warm genug sein, zumindest ähnelte die Luft einer finnischen Sauna und durch die Fenster konnte man kaum sehen, da sie so beschlagen waren) Fahrt in Richtung altes Japan. Nach knapp zwölfstündigem schweißtreibendem, 80km/h schnellem Rollens erreichten wir früh morgens den Hauptbahnhof Kyotos. Schlaftrunken torkelten wir aus dem Bus und machten uns auf die Suche nach unserem Hostel in Gion, dem ehemaligen Geisha- und heutigem Partyviertel.
Da wir erst um 15h auf unser Zimmer konnten, stellten wir unser Gepäck ab und machten uns auf eine kleine Erkundungstour durch die Gassen des noch sehr verschlafenen Gions.


Und wie es so typisch für Japan ist, offenbarte sich vor uns ganz plötzlich, nach kleinen geduckten Häuschen und nicht ganz so schönen Betonkästen, ein enormer Tempel, der Chion-in (1234 errichtet), dessen Eingangstor mit seinen 24 Metern Höhe das größte Japans ist.

das Tor passte gar nicht komplett aufs Bild ;)
Im Inneren der riesigen Tempelanlage gab es eine Halle in der ein vergoldeter Buddha uns aus seinen halbgeschlossenen Augen friedlich anblickte. Malte und ich gesellten uns zu ein paar Japanern, die sich vor der Statue niedergelassen hatten und die Stille (abgesehen von dem Baustellenlärm, der von außen in den Raum drang) genossen. Ein schon etwas älterer Japaner neben mir begann auf einmal leise zu singen, womöglich alte japanische Rezitationen, danach klang es jedenfalls.


Da wir beide noch ziemlich fertig von der Fahrt waren, streunerten wir nach der Tempelbesichtigung nur noch ein bisschen durch die Gegend, um die Zeit bis zum Hostel-Check-in zu überbrücken.
Am nächsten Tag ging es ausgeschlafener auf eine weitere Erkundungstour, diesmal in Richtung Nishiki Markt, einer ewiglangen, überdachten schmalen Straße, die durch aneinandergereihte Läden und Stände voller frischem Fisch, Süßigkeiten, Spezialitäten aus Kyoto (Tintenfisch am Spieß), Geschirr sowie Obst und Gemüse führte. Manches konnte man kostenlos probieren, vorausgesetzt man traute sich.


Nishiki Markt


 
Nach dieser kulinarischen Vielfalt ging es bei Abenddämmerung zum Fushimi Inari Schrein, welcher für seinen ca. 4 km langen Pfad, bestehend aus mehreren Hundert orangenen torii (japanische Tore) besteht. Rechts und links des Weges saßen immer wieder kleine steinerne Fuchswächter, die zur mystischen, ein wenig unheimlichen aber zugleich auch schönen Stimmung beim Durchschreiten der torii sorgten.
Doch nicht nur der Pfad, die ganze Schreinanlage hatte etwas Geheimnisvolles im Schein der unzähligen Lichter, die die Gebäude nahezu unwirklich erscheinen ließen.

Fushimi Inari




So beleuchtet dieser Abend war, so trüb war der folgende Tag, an dem wir in das 45 min. entfernte Nara fuhren, ausgestattet mit Regenschirm und undichten Schuhen. Schon am Bahnhof reizte es uns nicht sonderlich, in den Regen hinauszutreten, doch hinderte uns der teure Fahrpreis an der Rückfahrt (nee, nee, nee, nee, neee, wenn man schon mal da ist, dann gibt man sich das auch). Also Regenschirm aufgespannt und hinein ins nasse Vergnügen zum Todai-ji, einem alten Tempel, der als größtes rein aus Holz gebautes Gebäude der Welt gilt. Beeindruckend war auch die bronzene Buddhastatue in seinem Inneren, 15 m hoch und 450 t schwer.

Todai-ji



Auf dem Tempelgelände lief unter anderem dämlich dreinblickendes Wild umher, was wild auf Kekse war, die extra an Ständen verkauft wurde. Dämlich sind genauso die Touristen, die dieses Angebot zunächst als gute Investition ansehen, dann aber entsetzt schreiend das Weite suchen und sich wundern, wenn sie von 20 hungrigen Rehen umzingelt werden. Auch wenn Schilder auf die Boshaftigkeit dieser Tiere hinweisen, durften wir so manch lustiges Zusammentreffen von Wild und Tourist genießen.


Am darauf folgenden Tag war das Wetter wieder besser, so dass wir uns den riesigen Park des Kaiserpalastes in Kyoto ansahen, wieder durch die Straßen Kyotos streiften und so manch komische Kreatur entdeckten:

erinnert mich an einen ehemaligen Mathelehrer

Im Hostel empfahl uns eine freundliche Niederländerin, sich das Lampionfrühlingsfest in den Gassen Gions anzusehen. Gesagt, getan und mit der Abenddämmerung ließen wir uns von der Menschenmenge mitziehen, die sich durch die gepflasterten, von verschiedenen Lampions gesäumten Wege schoben,  vorbei an kulinarischen Kostproben und Souvenirläden, hin zum Jishu-jinja, einem weiteren beleuchteten Schrein.

 

Jishu-jinja
Am letzten Tag unseres Aufenthaltes fuhren wir zum Kinkaku-ji. Jaaa, ich merk schon, eigentlich sieht man in Kyoto vor lauter Tempel und Schreine das Wesentliche nicht mehr. Als würde es nichts anderes geben?! Doch, sicherlich, aber diese heiligen japanischen Stätten sind gerade in Kyoto besonders schön und riesig. Und so einen goldenen Tempel wie den Kinkaku-ji sieht man ja auch nicht alle Tage!


Eine 10-minütige Busfahrt von diesem Goldkäfig entfernt, liegt Arashiyama, ein Viertel im Westen Kyotos, welches für seine Bambuswälder bekannt ist. Hier findet man trotz Touristenmassen die typische japanische Natur: dicke, grüne Bambusstämme, kleine Berge und ein ruhig dahinfließender Fluss und zwischen all dem ein Grüppchen anmutig tippelnder Maikos, sowie schwarze Rikshas mit ninjaähnlichen Rikshafahrern.


...und mittendrin ein tanzender Malte!
Eine kulinarische Besonderheit Kyotos möchte ich niemandem vorenthalten, der plant, nach Kyoto zu reisen: okonomiyaki (eine Art japanischer gefüllter Pfannkuchen, der in anderen Regionen Japans in Form und Zutaten variiert). Gefüllt mit einem Spiegelei, kleinen Garnelen, Gemüse, Ingwer etc. und garniert mit einer rauchigen dunklen Soße, ein absolutes Muss, vor allem in dem Restaurant, welches wir entdeckt haben. Da lenkt das Lokale doch schon sehr vom Kulinarischen ab:

...von außen...
...und innen eine interessante Wanddekoration...

...sowie charmante Tischgesellschaft!
Ja, Kyoto hat so seine Reize, vor allem wenn man vor lauter Schreinen, Tempeln und Touristen nicht den Überblick verliert. Es lohnt sich aber allemal, da hier noch ein Hauch des alten Japans durch die schmalen Gassen weht, wenn eine maiko (Lerngeisha) einem zunickt oder eine Riksha vorbeirattert.

Mata ne!

Samstag, 18. Februar 2012

...die japanische Schulbank drücken!



Von gestern auf heute nahmen wir Auslandsstudenten an einem "Survival-Camp" unseres Programmes teil, was mal wieder einen Blogeintrag wert ist. Für uns ging es an die shou-gakko, die japanische Grundschule in Sasaguri, in der jedem von uns ein japanisches Grundschulkind zugeteilt wurde, mit dem wir unsere Zeit verbrachten. Damit das Ganze auch einen Hauch von "sawaiwaru" hatte, sollten wir nur Japanisch sprechen (was anderes wäre uns nicht übrig geblieben, weil keines der Kinder Englisch konnte).

Am Freitag durften wir einen typischen japanischen Schultag miterleben, jeder in der Klasse seines zugeteilten Kindes. Hinata, 11 Jahre, meine kleine Betreuerin nahm mich gleich an der Hand und führte mich in ihr Klassenzimmer, in dem ich, Vita (die Indonesierin) und zwei Thailänderinnen begeistert und mit einem lauten "ohayo gozaimasu" (Guten Morgen!) von ihren Klassenkameraden empfangen wurde. Wir mussten uns vor die Klasse stellen und den Kindern Rede und Antwort stehen. Hier sind mir schon die ersten Unterschiede zur deutschen Schule aufgefallen. Die Lehrerin fragte in die Runde, wer uns eine Frage stellen möchte und sofort gingen 30 Hände hoch und es wurde laut "hai!" (Ja!) geschrien. Die Lehrerin rief ein Kind auf, welches dann aufstand und seine Frage stellte. Keinerlei Schüchternheit oder Angst, nur offene, neugierige Gesichter! Ich hab meine Schulzeit da anders in Erinnerung...
Aber natürlich gab es auch hier einen Klassenkasper, der in der ersten Reihe saß und ständig auffallen musste.Zu allererst fiel er allein schon äußerlich auf. Orange-bräunlich gefärbte Haare, Jogginghosen und ein cooles T-shirt. Wenn er eine Frage hatte, wartete erst gar nicht, bis dass er aufgerufen wurde, sondern sprang gleich, laut "hai!" brüllend auf und hampelte herum.Auch seine Fragen waren sehr lustig: "Isst man in Deutschland nur mit den Händen?" oder "Haben Indonesier alle schwarze Haare?" Wir amüsierten uns natürlich sehr, aber die Lehrerin schien es halb so lustig zu finden. Anstatt jedoch mit ihm zu schimpfen, sagte sie nur geduldig "shizukashite kudasai" (Sei gefälligst ruhig!) und ignorierte ihn daraufhin einfach.
Nachdem wir den Wissenshunger der Kinder halbwegs gestillt hatten, durften wir uns auch setzen und dem Unterricht so gut es geht folgen.
Auch hier gab es eine weitere Auffälligkeit: an der Tafel klebten am oberen Rand kleine Schilder, auf denen die jeweiligen Namen der Schüler standen. Rief die Lehrerin jemanden auf, schob sie dessen Namensschild nach unten. So konnte sie sehen, wer noch nichts gesagt hatte und die Kinder sollten dazu angeregt werden, sich zu melden (was aber nicht nötig war, weil die Motivation etwas zum Unterricht beizutragen, sehr hoch war).


Ich glaube das Fach, das die Kinder gerade hatten, war eine Mischung aus Erdkunde, Sozialkunde und Biologie. Es ging z. B um die Verschmutzung von Flüssen und in den Schulbüchern konnte ich Themen wie Entstehung von Regen und Vulkanerruptionen erkennen. Später durften die Kinder Thailand, Indonesien und Deutschland auf der Weltkarte ausfindig machen.


Nach dem Unterricht war Mittagszeit und die Tische wurden zusammengeschoben. In Japan isst man in der Schule zu Mittag und zwar zusammen im Klassenzimmer. Manchen Kindern wird der Essensdienst zugeteilt, was auch interessant war, da diese sich weiße Hygienehauben, -mäntel sowie einen Mundschutz anzogen. Lauter kleine Chirurgen liefen da herum. Ein Essenswagen wurde hereingeschoben und die zuständigen Kinder verteilten Curry mit Reis. Dazu erhielt jeder von uns ein Fläschchen Milch.

rechts ist der Klassenkasper oder "yakuza-kid", wie wir ihn nannten.



Nach dem Mittagessen begann die Mittagspause für eine Stunde. Hinata und die anderen Kinder zogen mich zuerst in die Schulbibliothek, zeigten mir dort lauter Mangas und das Bilderbuch "Der Regenbogenfisch" auf Japanisch und liefen dann wieder zurück ins Klassenzimmer, wo wir zusammen ein japanisches Spiel spielten, was wahnsinnig beliebt zu sein scheint. Es ist eigentlich nichts anderes als "Schere Stein Papier" jedoch noch mit erweiterten Aufgaben. Sehr lustig und sehr laut!

ganz rechts: Hinata
Als die Mittagspause herum war, trafen sich die Auslandsstudenten in der Turnhalle, wo sie von den Erstklässlern gespannt erwartet wurden. Sie sangen uns ein Lied vor, tanzten den "maru maru dansu" und führten uns ihr Können vor (Stelzen laufen, Jonglieren, Gummitwist etc.) Kawaiiii! (so süß!)




Als wir uns nach dieser süßen Vorführung wieder eingekriegt hatten, ging es zurück in die jeweiligen Klassenzimmer. Auf Hinatas Stundenplan stand Musikunterricht und auf dem Weg dorthin, konnte ich schon das Pfeifen von rund 30 Blockflöten hören. Ja! In Japan lernt man Blockflöte in der Schule, ob man will oder nicht und genauso konnten es manche gut und manche eher weniger. Meine armen Ohren... ;-P
Alle Kinder standen brav an ihren Plätzen, flöteteten was das Zeug hielt und die Lehrerin lief dirigierend durch die Reihen um ihre Schützlinge zu korrigieren und zu loben.
Nach der Flöterei setzte sich eines der Mädchen an das Klavier und begleitete die Klasse, die ein Lied für die Abschlussfeier des Schuljahres (in Japan beginnt das Schuljahr im April) einüben mussten.


Daraufhin wurden noch weitere Lieder gesungen und die Lehrerin stand vorne und schrie währenddessen Fragen in den Raum. Ich hab nicht alles verstanden aber eine Frage war: "Was für Gefühle habt ihr, wenn ihr das Lied singt?" und es wurden Antworten wie "Freude" oder "Trauer" zurückgerufen. Allgemein ist der japanische Unterricht sehr laut. Die Lehrerin schreit, die Kinder brüllen und am Ende der Klasse brüllen erst zwei Kinder etwas wie "Der Unterricht war heute schön, hiermit ist er beendet" und dann alle im Chor "otsukaresama deshita", was nicht wirklich übersetzt werden kann, aber zum Ende des Unterrichts oder nach getaner Arbeit gesagt wird und die "Mühe" des Tages beendet ist.

Nach dem Musikunterricht war der Schultag um 16h beendet und ich begleitete Hinata zu sich nach Hause, wo mich schon ihre Mutter Kaoru, Manaka die Mittlere und Chihaya, der Jüngste der dreiköpfigen Rasselbande erwarteten. Der Vater, dessen Namen mir leider entfallen ist, kam später und brachte sashimi, rohen Fisch mit. Sehr lecker!
Ich durfte bei Manaka im Zimmer auf dem Futon schlafen, was sie sehr gefreut hat, da die 9-jährige sehr an mir hing. So lieb! :) Am nächsten Morgen wurde ich lautstark um 8h von Chihaya mit einem "asa dayou!" geweckt und nach unten zum Frühstück geführt. "cha-han" (gebratener Reis mit Ei), omiso-shiru (eine sehr leckere Suppe), Reis und Brokkoli standen schon auf dem Tisch. So frühstückt man traditionell in Japan. Sehr üppig und nahrhaft.
Um 10h fuhren wir zusammen in die Gemeindehalle Sasaguris, wo wir Auslandsstudenten den Kindern und Eltern etwas von unserem Land vorstellen mussten. Deutschland entschied sich für das Spiel "Der Fuchs geht um", welches auch in japanischer Version existiert und von den Kindern begeistert gespielt wurde.
Mittags ging ich mit meiner Survival-Familie noch zum Ramen essen und danach wieder zurück ins Wohnheim.

Es war interessant, den japanischen Schulalltag kennengelernt haben zu dürfen, mit den Kindern zu reden und zu spielen und ihre Offenheit und Neugier genießen zu können. Auch die zweitägige Gastfamilie war wieder sehr herzlich und es hat mir Spaß gemacht, sie mit meiner anderen Gastfamilie vergleichen zu können und zu beobachten, wie das Familienleben und die Erziehung der Kinder teilweise unterscheidet.
So kam mir Kaoru doch strenger als Chizuko in ihrer Muterrrolle vor, aber das muss man wohl bei drei Kindern sein. Gemeinsam haben sie jedoch den geduldigen und liebevollen Umgang mit den Kindern.



Mata ne!

P.S: als ich heute zurück ins Wohnheim gekommen bin, hatte Hara-san, meine "Erdbeer-Freundin" des vorigen Blogeintrags ein Päckchen für mich, welches sie mir freudestrahlend übergab.
 Als Dank erhielt ich nämlich tabi, die japanischen Socken für  geta, die Schuhe, die zum Kimono getragen werden.
Der Erbeerenverlust sei ihr vergeben, dank des japanischen reziproken Denkens  ;)

Mittwoch, 8. Februar 2012

Aku baik baik saja! Mir geht es gut!

Ich merke gerade, dass ich seit gut einem Monat nichts mehr von mir hab lesen lassen, was nicht daran liegt, dass ich die Lust am Schreiben verloren hätte, sondern eher daran dass die Uni meine Zeit in Anspruch nimmt. Hier geht es seit paar Wochen drunter und drüber, Japanischprüfung hier, Präsentation da und ein Essay über Murakami passt sicherlich auch noch in den Terminkalender. Aber ich will mich nicht beschweren, denn auch wenn es viel Arbeit ist, die es zu bewältigen gilt, finde ich doch immer wieder Zeit für die schönen Dinge im Leben.
Das letzte Januar-Wochenende traf ich mich mal wieder mit meiner lieben Gastfamilie. Wie immer holten sie mich ab und dann ging es bei strahlend blauem Himmel und eisigen Temperaturen zum ichigogariya....oder auf Deutsch: Erdbeeren pflücken! Die spinnen die Japaner, würde unsereiner da vielleicht denken. Erdbeeren Ende Januar?! Muss das sein?! Der Mensch sieht sich doch eh schon in so vielen Dingen als Herr über die Natur, muss er da die Saisonfrüchte auch noch manipulieren? Die Antwort lautet JA! und ich finde, dass das in Japan erlaubt sein darf, da man hier sonst noch sehr viel Wert auf ein saisonales Gemüse- und Obstangebot legt. Also warum nicht schon im Winter sich frühsommerlichen Geschmack auf die Zunge zaubern und sich die Backen mit knallroten, riesigen Alien-Erdbeeren vollstopfen?! Iii deshou!


Chizuko kaufte mir eine ganze Schale voll und meinte, dass ich die alle daheim essen muss, damit ich mich nicht erkälte. So lieb! Fröhlich kam ich abends im Wohnheim an und traf auf Hara-san, die Rezeptionstante, die einen sofort in ein Gespräch verwickelt, wenn man es nicht schnell genug zum Aufzug schafft. Es ist immer wieder eine Herausforderung, ihrem breiten Kyushu-Dialekt zu folgen, aber es macht auch Spaß sich mit ihr zu unterhalten. Also dachte ich mir, lieb wie ich bin, biete ich doch auch Hara-san eine meiner handgroßen Erdbeeren an, damit auch sie bei diesen eisigen Temperaturen gesund bleibt.
Hara-san, möchten Sie von den Erdbeeren probieren? "Was wirklich? Du meinst, die sind alle für mich?!" sagt's, nimmt mir die Tüte aus der Hand und ich kann dabei nur noch verzweifelt "eeetoo, ja natürlich." von mir geben, alles andere wäre unhöflich gewesen. "Wenn du die alle isst, wirst du dich nicht erkälten", höre ich Chizukos Stimme im Hinterkopf. Ich glaube, ich habe eine wichtige Grammatiklektion verwechselt und statt "Möchten Sie von den Erdbeeren probieren?" wohl etwas wie "Wollen Sie diese Erdbeeren essen?" gesagt oder aber Hara-san ist einfach ein wenig gierig. Zwei Tage später hatte ich Hals- und Kopfschmerzen. Zannen deshita!

Trotz des ganzen Unikrams machen wir es uns hier immer wieder schön, indem wir uns eine Pause gönnen, nach Canal City zum Shoppen und Schlemmen fahren oder nach Tenjin, um uns nur der Schlemmerei hinzugeben.


Heute ging es mit paar Mädels in ein indonesisches Restaurant, da Diah und Vita uns zeigen wollten,  was ihre kulinarische Kultur zu bieten hat. Schaaaarf und so lecker! Dieses Land wird wohl mein nächstes Reiseziel sein, allein wegen der herzlichen Menschen. Obwohl den beiden noch über ein Monat in Japan bleibt, bevor es für sie wieder nach Hause geht, sind sie schon jetzt immer wieder traurig und auch ich will nicht an den Abschied denken. Ich mag den Gedanken nicht, Menschen, die man lieb gewonnen hat, vielleicht nie mehr oder für eine sehr lange Zeit nicht mehr sehen zu können. Grauenvoll! Mir bleibt nichts anderes übrig, als wieder über den Ozean zu fliegen...koste es was es wolle!
Und wenn ich mich in die Lage derjeniger versetze, die im März heimkehren, will ich mir gar nicht vorstellen, wie das für mich sein wird, wenn es heißt, die Zelte abzubrechen. Aaah! Nicht dran denken! Noch hab ich ja noch genüüügend Zeit!
Nach dem kleinen Ausflug in die geschmackliche Vielfalt Indonesiens, gönnten wir uns noch einen Crepes mit anko (Azukibohnenpaste) und macha-Eis in einem süßen, sehr europäisch eingerichteten kleinen Café.


Wenn es nicht ums Lernen geht, dann dreht sich doch schon der größte Teil unseres Aufenthaltes hier um das gute Essen!
Und weil Essen müde macht, werde ich jetzt den etwas kurzgeratenen Eintrag hier beenden und hoffe, dass Deutschland nicht ganz einfriert! Wenn das der Fall sein sollte, würde ich vorschlagen, nach Japan zu kommen und sich Winterspeck anzufressen. Geht ganz leicht! ;)

Matane!





Montag, 9. Januar 2012

Zwei Bakku-pakku reisen durch Kyushu

 
Da wir die ersten zehn Tage des neuen Jahres noch Winterferien hatten, planten Sarah und ich schon vor einigen Wochen, die Gegend um Fukuoka herum genauer unter die Lupe zu nehmen und vom 04. bis zum 08. Januar, als Backpacker durch Kyushu zu reisen und zu testen, wie weit wir mit unserem gebrochenen Japanisch kommen würden. Nur bis zum Kashii Bahnhof oder doch ein Stück weiter?! Wir werden sehen...

Am frühen Morgen des 04. Januars machten wir uns also dick eingepackt in Mantel, Mütze und Schal, auf unsere Reise. In Oumuta (...oh Mutter!) hatten wir einen knapp dreistündigen Aufenthalt, den es zu überbrücken galt, um dann weiter fahren zu können. Da Oumuta leider nicht sehr groß war und deswegen nicht allzu viel zu bieten hatte, schon gar nicht um 10:30h am Vormittag, erkundeteten wir einfach so ein bisschen die Gegend. Sieh an, dieser kleine Ort hat zwar weder ein Udonrestaurant, noch ein Café, aber dafür einen Zoo! Ich finde Zoos zwar nicht sonderlich toll, da mir Tiere in freier Wildbahn eher gefallen, aber als Notlösung kann man ja mal eine Ausnahme machen und eine kleine Mitleidsrunde drehen, um den Tieren Konnichiwa zu sagen.



Gegen 13h ging dann unsere Zugfahrt weiter, nächster planmäßiger Halt: Tateno von wo aus wir mit der Minami Aso Bergbahn nach Takamori fuhren. Dieser kleine Zug bestand aus nur einem Waggon, war innen mit lilanen Sitzpolstern und lilanen Vorhängen ausgestattet und fuhr uns quer durch die bergige, verlassene Landschaft, über tiefe Schluchten und durch dichte Bambuswälder bis ins verschneite Takamori. Als ein paar Japanerinnen des Wohnheims bei unserer Reiseplanung wissen wollten, wohin wir überall fahren würden, schien ihnen Takamori nicht bekannt zu sein. Wie auch? Dieser Ort ist winzig und scheint nur aus ein paar netten Häuschen, dem Bahnhof und einem Touristenbüro zu bestehen. In diesem kleinen Dörfchen, welches mich sehr an einen Ski-Ort in Österreich erinnerte, warteten wir im eisigkalten Touristenbüro auf unseren Bus, der uns nach Takachiho und somit zum ersten Übernachtungsort unserer Reise bringen würde.




 Die 1,5 stündige Busfahrt schien kein Ende zu nehmen und es kamen bei uns schon leichte Zweifel auf, ob wir wirklich im richtigen Bus sitzen würden. Draußen war es stockdunkel, wir konnten weder Straßenverlauf noch Landschaft erkennen, da man in dieser Gegend wohl Sraßenlaternen für unnötig hält. Wo fahren wir bitte hin?! Keine Panik, bis jetzt lief alles wie am Schnürchen, also würden wir auch sicher bald in Takachiho ankommen. Endlich! Nach einer gefühlten Ewigkeit leuchteten die ersten Ampeln und Laternen Takachihos auf und schon bald kam der Bus zum Stehen. Müde wankten wir aus dem Fahrzeug und versuchten uns zu orientieren. Das Hotel hatte sich schnell gefunden und so waren wir an diesem Abend nur noch froh, ins Bett fallen zu dürfen, glücklich, dass wir schon einmal so weit gekommen sind...

05. Januar:
Takachiho gilt als sagenumwobener Ort, um den sich so einige japanische Mythen ranken. Wir wollten uns natürlich selbst davon ein Bild (bzw. mehrere) machen und standen deshalb schon früh auf, um genügend Zeit zu haben, um auf den Spuren der Götter und Dämonen wandeln zu können.
 Die Takachiho Schlucht sollte unser erstes Ziel sein. Leider war sie von unserem Hotel ca. 40 min zu Fuß entfernt. Wir fragten den freundlichen Hotelier an der Rezeption, ob es einen Bus dorthin gäbe. Er legte seinen Kopf schief, zog die Luft scharf durch die Zähne und verneinte, aber hey, wir sollten ihm doch folgen. Er trat aus dem Hotel heraus und lief über den Parkplatz. Was hatte er denn nun vor? Wollte er uns den Weg zur nächsten Bushaltestelle zeigen oder uns ein Taxi rufen? Nein, Herr Hotelier spielte selbst den Taxifahrer! Er zog einen Autoschlüssel aus der Hosentasche und öffnete die Türen eines kleinen weißen Autos. Hontoni (=wirklich)? Ja sicher, er führe uns gerne zur Schlucht, das würde ihm nichts ausmachen. Na das ist doch mal ein Service! Arigatou gozaimasu, Hotelier-san!

Die Takachiho Schlucht war unglaublich! Unglaublich schön und unbeschreiblich. Schon als wir Fotos machten, ärgerten wir uns, dass die Bilder nichts davon wiedergeben konnten, was wir in echt sahen und so ist es auch beim Schreiben des Blogs eigentlich unmöglich in Worte zu fassen, was man einfach mit eigenem Auge gesehen haben muss. Eines steht jedoch fest: Beim Anblick dieser hohen, scharfkantigen Felsen, des rauschenden Wasserfalls, sowie des türkisblauen Wassers, begann ich mich zu fragen, ob es sich wirklich um Mythen und Sagen handle, von denen man sich hier so viel erzählt...






Nachdem wir die Schlucht durchlaufen hatten, schauten wir uns den Takachiho Schrein an, um uns danach hungrig auf die Suche nach etwas Essbarem zu machen.  In einem winzigen Udon Restaurant, wärmten wir uns auf und betrachteten das geschäftige Tun des Udonkochs, der in rasender Geschwindigkeit mit einem riesigen Messer Gemüse zerkleinerte und die Udon mit einem Sieb durch die Luft wirbelte.


Ich studierte die Speisekarte, um herauszufinden, was so Feines geboten war und um unter anderem mein kümmerliches Kanji Wissen auf die Probe zu stellen. Leider kam ich nicht weit und blickte hilfesuchend um mich. Neben mir saß eine für Japanerinnen untypisch, kräftigere Frau mit einem freundlichen, runden Gesicht. Ich fragte sie, ob sie mir sagen könnte, welches der Gerichte zu empfehlen sei. Sie würde mir die Udon-Suppe mit Pilzen und Bambussprossen empfehlen, die habe sie gerade bestellt. Schon bald waren Sarah und ich mit Fumiko und ihren zwei Kindern im Gespräch und sie schlug vor, uns ihr Sushi Restaurant zu zeigen, welches sich wenige Straßen weiter befinde.

...der Vater hat sich geschickt auf einen Hocker gestellt, um nicht so klein zu wirken ;)
Doch dabei blieb es nicht, - diese wahnsinnig freundliche Familie fuhr uns zu unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten Takachihos, die es zu besichtigen galt und die wir ohne Auto nicht hätten anschauen können. So verbrachten wir den ganzen Tag mit ihnen. Nach dem Mittagessen zeigten sie uns den Amano Iwato Jinjya, einem Schrein, der sich in einer Höhle befindet. Genau hier trafen wir zufällig auf Mona, eine von uns Deutschen, der Schreck und die Freude war groß. Wieso bitte trifft man sich zufällig und ausgerechnet in Takachiho? In so einem abgelegenen Ort! Unheimlich :)
Die Höhle des Schreins ist für eine der berühmtesten Mythen Japans bekannt, denn dort habe sich einst die japanische Sonnengöttin Amaterasu vor ihrem Bruder Susanoo versteckt, da sie über seine schlimmen Taten so bestürzt war.

Susanoo
Durch ihren Rückzug erlosch das Sonnenlicht und es wurde finster auf der Welt. Die anderen Götter berieten sich und versuchten Amaterasu wieder aus der Höhle herauszulocken. Ein lustiger Tanz der Göttin Ama no Uzume weckte ihre Neugier und sie verließ ihr Versteck. So wurde es wieder hell auf der Erde.
In der Höhle befanden sich lauter kleine und größere Steine, die aufeinaner gestapelt waren, Nimmt man sich ein Steinchen und legt es auf so ein Gebilde, so darf man sich etwas wünschen.

Amano Iwato Schrein

Sie wünschen?
Später ging es noch auf den Aussichtspunkt Kunimigaoka, von dem aus man in knapp 500m Höhe einen schönen Blick über Takachiho und Umgebung hatte. Fumiko erzählte mir, dass an diesem Ort die Götter auf die Erde herabgestiegen sind und dass man sich dort selbst wie ein Gott fühlen kann, der auf die kleine Welt herunterblickt. Wohl wahr!


Kunimigaoka
Zum Abschied schenkte Fumiko jedem von uns eines der typischen Glücksanhänger, die in Japan so beliebt sind und die es je nach Ort in den unterschiedlichsten Ausführungen, zu kaufen gibt. Sie fuhr uns zu unserem Hotel zurück und verabschiedete sich, sichtlich gerührt mit der Bitte, doch bald wieder nach Takachiho zu kommen. So lieb!
Am selben Abend noch fuhren Sarah und ich mit dem Bus weiter nach Nobeoka, einem unglaublich hässlichen Ort, der nicht weiter erwähnenswert ist und lediglich als Übernachtungsort diente. ;)

6. Januar:
Um 08:30h fuhr unser Zug nach Miyazaki City, 80km südlich von Nobeoka. Unseren ersten Halt des Tages machten wir in Aoshima, einer kleinen Insel unterhalb Miyazakis. Aoshima ist umgeben von vom Meer verformten Steinen, die Oni no sentakuita (="Waschbrett des Dämons") genannt werden.


Aoshima und oni no sentakuita
Auf dieser Palmen bewachsenen Insel befindet sich ein Schrein, Aoshima Jinjya. Dort gab es, ähnlich wie in Takachiho eine Möglichkeit, sich etwas zu wünschen. Auf einem mit Muscheln betürmten Felsen, konnte jeder eine weitere Muschel dazulegen und an einen Wunsch denken.



Aoshima und allgemein Miyzaki haben einen sehr südseeähnlichen Flair, der im Sommer durch noch mehr Touristen und Surfer verstärkt wird. Sarah und ich gönnten uns an einem der unzähligen Läden ein Eis und lauschten dem sich ständig wiederholenden  Onigiri to Nikuman Lied, bei dem es um Reisbällchen und mit Fleisch gefüllte Teigtaschen geht. Vom Essen können die Japaner wirklich ein Lied singen...
Nachmittags fuhren wir nach Miyazaki City, um in unserem Hotel einzuchecken und die Stadt ein bisschen zu erkunden.Gegenüber unserem Hotel befand sich ein Laden mit japanischen Süßigkeiten, unter anderem Daifuku, meiner neuesten Lieblingssüßspeise. Sie besteht aus mit anko (Azukibohnenpaste), Frischkäse und Früchten gefülltes weißes Mochi. Unverschämt lecker!

Daifuku
7. Januar:
Da wir zwei Nächte in Miyzaki eingeplant hatten, kauften wir uns für umgerechnet 10 € die Miyazaki Touristen Buskarte, mit der wir für einen Tag durch ganz Miyazaki City mit jedem beliebigen Bus fahren konnten. Erstes Tagesziel: Sun-Messe Nichinan,- die welterste Kopie der sieben Moais der Osterinseln. 700 Yen war zwar ein unverschämter Eintrittspreis, den wir jedoch dank des unglaublichen Blicks auf den Ozean und des traumhaften Wetters schnell vergaßen.



Mittags fuhren wir weiter zum Udo Jingu, einem Schrein, der direkt am Meer in riesige Felsen gebaut ist, an denen sich hohe Wellen brechen und von denen man eine perfekte Sicht auf den tiefblauen Ozean hatte. Udo Jingu war an diesem Samstag bevölkert von japanischen Familien, die hier herpilgerten, um für das Wohlergehen ihrer Kinder zu beten und zu bitten. Wir schauten uns alles genau an und wunderten uns, weshalb so viele Japaner etwas ins Meer warfen und dabei sichtlich ihren Spaß hatten. Bei näherem Hinsehen konnten wir feststellen, dass sie undama, kleine aus Ton geformte Glücksbällchen auf einen Felsen zu werfen versuchten, welcher in Form einer Schildkröte sich unterhalb der steilen Abhänge befand. Die Menschen glauben daran, dass beim Treffen des Schildkrötensteins ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Japaner scheinen viele Wünsche zu haben und noch viel mehr Möglichkeiten, diese in Erfüllung gehen zu lassen. Egal ob Stein, Muschel oder Münze, egal ob gestapelt oder geworfen und egal wohin, ob Schildkröte, Höhle oder Teich, ich will mal hoffen, dass all ihre Mühe nicht umsonst sein wird.

Schildkrötenstein

Udo Jingu


Den Abend und somit auch unsere Reise, ließen wir in einem Restaurant ausklingen, in dem es die Spezialität Miyazakis chicken nanban gab, frittierte Hühnerbrust mit Reis, Nudelsalat, Krautsalat und unglaublich viel Remoulade. Obwohl ich dem Fleisch eigentlich abgeschworen habe, so musste dieses Gericht doch probiert werden, was sich auch wirklich gelohnt hat. Dennoch ist mein Fleischbedarf damit wieder gestillt, da es Sarah und mir danach doch leicht unwohl war,- die Portionen waren für japanische Verhältnisse einfach zu riesig und wir sind einfach nichts mehr gewöhnt. :)

8. Januar:
Schweren Herzens verließen wir morgens um 9:30h das schöne Miyazaki mit dem Ziel vor Augen, im Sommer nochmals herzukommen.
Da wir für unsere Reise das Seishun 18 kippu gekauft hatten, ein Zugticket, mit welchem man für 115 € fünf Tage (die nicht aufeinanderfolgend sein müssen und wir es deshalb schon für unseren Nagasaki Ausflug verwendet hatten) lang, durch ganz Japan fahren kann, bestand uns nun eine lange Heimreise bevor und zwar nur mit den langsamen Zügen. Das machte uns aber nichts, da man dadurch umso mehr von Kyushu zu sehen bekam.
Auch die jeweils ca. eineinhalb bis zweistündigen Umsteigeaufenthalte an irgendwelchen verlassenen Bahnhöfen, machten uns nichts, da es immer etwas zu sehen gab. In Miyakonojo z. B entdeckten wir zufällig einen kleinen Bauernmarkt, auf dem es schöne, japanische Schüsseln, Tassen und Schalen zu kaufen gab. In Yoshimatsu trafen wir wieder auf Mona (wieder zufällig), die ein paar Tage in Kagoshima bei Freunden verbracht hatte. Und in Yoshihito besichtigten wir (mal wieder) einen Schrein, der in das warme Licht des yugata (japanischer Spätnachmittag/Frühabend) getaucht war. 
Hier wurden wir auch von einer etwas älteren Japanerin mit ihrem Dackel Lili angesprochen. Nach den obligatorischen Fragen nach Herkunft, Alter und Grund des Aufenthaltes, lud sie uns auf eine Tasse Tee bei ihrer Freundin ein. Diese besaß eine kleine Galerie, in der gerade japanische Töpferkunst ausgestellt wurde. Wir wurden mit grünem Tee, Gebäck und Geschichten versorgt und hatten schon bald die Befürchtung, unseren Anschlusszug zu verpassen. Zum Abschied und als Proviant gab es mal wieder Mikan und die Dackeldame und Lili begleiteten uns dann noch rechtzeitig zu unserem Zug und warteten, bis der Zug vollständig aus dem Bahnhof gerollt ist.
Und ein weiteres Mal kann ich mich nur wundern (und freuen), wie schnell die sonst so für schüchtern und schwer zugänglich gehaltenen Japaner Vertrauen zu einem fassen und wie offen sie auf einen zugehen.

Nach einer vierzehnstündigen Zugfahrt, kreuz und quer durch Kyushu, kamen wir todmüde um Mitternacht am Kashii Bahnhof an. Schön wars!
Mata ne!